Tag 02 – Es geht raus auf’s Meer

Überfahrt von Porto Santo Stefano nach Porto Pisa ca. 88 SM

Die Nacht verlief mit Ausnahme der Mücken richtig gut … naja und an die nächtlichen Geräusche des Hafens und die Hellhörigkeit an Bord müssen wir uns alle noch ein bisschen gewöhnen. Wer schon mal auf einem Boot war, weiß wie laut die Toilettenspülung mit saugen, spülen und pumpen sein kann, es klingt ein wenig als würden Eiswürfel geshreddert und rülpsend wieder ausgespuckt werden, ähnlich wie im Flugzeug – in jedem Fall ist es sehr laut.

Guten Morgen Porto Santo Stefano!

Jetzt schnell nen Kaffee machen, aber verdammt der Stecker der Maschine passt nicht … komisch unsere Handys konnten wir alle laden, warum passt der Stecker von der Kaffeemaschine da nicht rein – aaargh! Dabei hatte Cid zu Hause noch überlegt, einen Reiseadapter einzupacken … ach, ist doch Italien brauchen wir nicht, von wegen … es ist eben Italien und da ticken die Uhren immer noch etwas langsamer …

Was jetzt? Ist ja Sonntag … vielleicht hat der Chinese auf … also los, Sonnencreme haben wir auch vergessen und das ein oder andere praktische Utensil gibt es dort bestimmt auch – Chinaläden sind noch schlimmer als IKEA, die Taschen sind anschließend mit lauter billigem Plastikgedöns voll, dabei wollten wir doch nur eine Kleinigkeit.

Wir haben Glück, Reiseadapter, Mückenstecker und Sonnencreme erstanden, einen schnellen Kaffee gestürzt und dann startet Cid die Maschinen. Oh mann/frau, wir sind sehr aufgeregt und auch nervös, unsere große Überfahrt beginnt also jetzt – Tschüß Porto Santo Stefano 👋

Langsam eingrooven mit dem Boot, Trimmung testen, anfangs ziemlich unangenehme Kreuzsee … statt Sonnenschein und ruhiger See, Wind und Wellen vor eher grauer Kulisse. Aber, der Käptn wird immer vertrauter mit den Reaktionen und so schippern wir mit entspannten 25 Knoten Reisegeschwindigkeit an Elba, Piombino und Livorno vorbei, abwechselnd übernehmen zweiter und erster Offizier auch mal das Steuer. Letzterer steuert uns souverän durch die Tankerbrigade vor Livorno.

Zwischendurch serviere ich ein paar Häppchen Käse, Salami und Tomate zur Stärkung, die Outdoorküche ist ein Segen.

Bis Pisa ist es jetzt nicht mehr weit. Die Einfahrt ist tricky zu finden, am Eingang werden wir schon von 2 rotgekleideten Marineros abgepasst, unsere Reservierung liegt ihnen nicht vor … na das startet ja super … erst mal tanken …

War dann doch kein Problem einen Platz zu bekommen, würde nicht just in diesem Moment der Wind auf stürmisch umschlagen, es erfordert doch einiges Geschick vom Käptn – trotz dem neuem IPS-Antrieb – die Blue Pearl anzulegen, aber es ist geschafft!

Jetzt erst mal ein kühles Bier fürn Käptn und dann ab Porto Pisa erkunden.

Macht Euch ein eigenes Bild…

Wir werden wohl keine all zu großen Fans von diesem Ort, die Stimmung zieht sich wie Kaugummi zwischen dröger Langeweile, abgehalftertem Seebad und absurd weißen, aufgeschütteten Kieselsteinen, die von einer verheißungsvollen und glänzenden Zukunft erzählen sollen. Ciao Bella Ciao